brazil01São Paulo ist eine Stadt der Superlative. Circa 20 Millionen Menschen leben dort. Es ist das Handels- und Produktionszentrum für ganz Südamerika. Keine große internationale Company ohne eine Niederlassung in São Paulo. Nicht zu Unrecht wird sie auch als der „größte deutsche Industriestandort“ bezeichnet.

In dieser Stadt gibt es unglaubliche Kontraste zwischen arm und reich! 

An den Rändern von São Paulo lebt ein Großteil der Bevölkerung in Armenvierteln. Man schätzt, dass heute ca. 30 % der Einwohner São Paulos in diesen Armenvierteln leben. Dort, im Bezirk Grajaú, engagiert sich unser Verein.

 

Angelika mit Kindergruppe

Auf einem Gelände von ca. 5.000 qm, leben in mehreren kleinen Häusern über 50 Kinder im Alter von wenigen Wochen bis zu 18 Jahren. Alle erhalten eine gesunde Grundverpflegung, ärztliche Versorgung und viel Zuwendung.

2006-09-erstesHaus01Auch die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen hat einen besonderen Schwerpunkt. Die schulpflichtigen Kinder haben alle einen Schulplatz - dies ist nicht selbstverständlich in Brasilien - und erhalten im Heim zusätzlichen Förderunterricht. In den fast 15 Jahren des Bestehens konnte für unsere Hilfe suchenden Kinder ein optimales Umfeld geschaffen werden. Es ist Platz zum Spielen, Lernen, für den Gartenanbau und für viele andere Aktivitäten mehr vorhanden.

Viele freiwillige Helferinnen und Helfer und Mitarbeiterinnen, die nach brasilianischen Tarifen entlohnt werden, kümmern sich um die Kinder und das Tagesgeschehen.

2006-09-erstesHaus02   2006-09-kinderbild

2006-09-alteWaschmaschineDie Kinder werden fast ausschließlich durch die lokalen Jugendbehörden und Jugendgerichte oder auch durch die Jugendschutzstelle „SOS - criança" zugewiesen. Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich:

Vernachlässigung oder Misshandlung, sexueller Missbrauch, drogenabhängige oder alkoholsüchtige Eltern, Tod der Eltern, Säuglinge die im Krankenhaus zurückgelassen werden usw. Fast alle Kinder kommen aus sozial benachteiligten Familien, die keinerlei Mittel haben, ein Kind zu ernähren geschweige auszubilden.

2008-08-kleiderladenDas Kinderheim wurde in der deutschen Kolonie von São Paulo rasch bekannt.
So kam es, dass viele Familien gute gebrauchte Kleidung oder Spielsachen, mit denen die eigenen Kinder nicht mehr spielten, Girassol spendeten.

Auch aus Deutschland kamen Sachspenden. Wegen der schwierigen Zollsituation nicht im großen Container, sondern von Besuchern im zusätzlich mitgebrachten Koffer und vor Ort persönlich abgegeben.

Als der Eigenbedarf im Girassol gedeckt war oder auch Kleidung für Erwachsene gespendet wurde, entstand die Idee, mit den übrigen Sachspenden einen kleinen "Nachbarschafts-Laden" aufzumachen. Leute aus der umliegenden Gegend - besonders aus der Favela - konnten nun gegen geringe Kosten ihren Bekleidungs- und Spielwarenbedarf decken. Neben den (geringen) zusätzlichen Einnahmen für die Arbeit von Girassol hatte der Laden zwei weitere, sehr wichtige Erfolge:

  • Das Kinderheim Girassol bekam für die Leute aus dem Stadtteil eine ganz neue Bedeutung. Es wurde nicht mehr als Fremdkörper gesehen und misstrauische beäugt. Man konnte sich jetzt besser vorstellen, „was die da machen", und hatte ja auch selbst etwas davon.
  • Die größeren Kinder lernten spielerisch und ganz nebenbei Verkäufer und Verkäuferin, indem sie im Laden mithalfen. In einem Land wie Brasilien, mit keiner in unserem Sinne geregelten beruflichen Bildung, erhielten die Kinder wichtige Basisqualifikationen für einen späteren Einstieg in das Berufsleben.

Auch durch diese Erfahrung wurde der Leitung von Girassol immer deutlicher, dass das Ziel von Girassol, die Kinder und Jugendlichen zu einem eigenverantwortlichen Leben zu befähigen, nur durch eine gute berufliche Perspektive zu erreichen ist.

 

Innenhof - links das neue ZentrumInnenhof - links das neue ZentrumIm Jahr 2002 erhielt das Kinderheim Girassol eine Spende von Sternstunden e.V. München. Mit dieser finanziellen Hilfe konnte ein Ausbildungsgebäude errichtet werden. Auf 875 qm Fläche werden nun Kurse wie Informatik, Alphabetisierung, Kochen, Nähen, Familienplanung, Elektriker, Musik, Handarbeit und Sport usw. angeboten werden.

Die Girassol-Kinder und Kinder und Jugendliche aus den Elendssiedlungen im Umfeld von Girassol finden dort Ausbildungsmöglichkeiten, um den Kreislauf der Armut für immer zu durchbrechen, fern von Drogen, Alkohol, Prostitution und Verbrechen.

Am 21. September 2003 fand die feierliche Eröffnung des neuen Ausbildungszentrums in Girassol statt. Neben den Kindern waren viele Freunde, Förderer und geladene Gäste anwesend. Für die Gründerin von Girassol, Angelika Pohlmann, war es sicherlich einer der bewegendsten Tage in ihrem Leben.

 

Die Fotos der Bildergalerie sollen einen Eindruck von der Freude dieses Tages vermitteln. Link zur Bildergalerie der Eröffnung